Frauen stellen großes Fachkräftepotenzial

01.03.2016

Guter Arbeitsmarkt und Strukturwandel fördern Rückkehr in den Beruf

Laut einer europäischen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft sind in klassischen Industrie ländern wie Deutschland die Frauen die klaren Gewinner des Beschäftigungsaufbaus. „Frauen haben 64 Prozent aller zwischen 2001 und 2015 neu entstandenen Arbeitsplätze ergattert“, heißt es unter anderem.

Grundsätzlich lässt sich dieser Trend auch für den Wirtschaftsraum Weserbergland (Landkreise Schaumburg, Hameln-Pyrmont und Holzminden), das Einzugsgebiet der „Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft“, feststellen. Dennoch gibt es nach wie vor Hindernisse, die die Erwerbsbeteiligung von Frauen in der Region erschweren.

Langfristig macht sich der Strukturwandel zulasten der eher mit männlichen Beschäftigten arbeitenden Industrie und zugunsten des weiblich dominierten Dienstleistungssektors auch im Weserbergland bemerkbar - insbesondere in Schaumburg. Verstärkt wird dieser Effekt durch die zunehmende Überalterung der Gesellschaft, wodurch hauptsächlich Berufe im Gesundheitsbereich nachgefragt werden - insbesondere in der Pflege. Und im Rahmen der Migration durch Flüchtlinge sind wiederum Berufe gefragt, die wie Sozialarbeiter, Erzieher und Grundschullehrer immer noch mehrheitlich von Frauen ergriffen werden.

Auch die jüngsten Arbeitsmarktzahlen des Bezirks Hameln der Agentur für Arbeit zeigen, dass der Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen zwar noch unter dem der Männer liegt, aber in den vergangenen Jahren auf mehr als 48 Prozent angestiegen ist. Die jüngsten Arbeitslosenzahlen der Frauen sind im Januar 2016 im Vergleich zum Vorjahr um knapp sieben Prozent gesunken.

Bei dieser Statistik ist allerdings zu beachten, dass die sogenannten Nichterwerbspersonen nicht erfasst sind. Der Frauenanteil unter dieser Gruppe ist jedoch hoch: Es handelt sich um Frauen, die zurzeit nicht erwerbstätig sind und bei der Agentur für Arbeit weder arbeitslos noch arbeitssuchend gemeldet sind.

Wie durch die Beratungszahlen der „Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft“ belegbar, stellt diese sogenannte „stille Reserve“ ein erhebliches, zusätzliches Fachkräftepotenzial dar. Häufig befinden sich diese Frauen in Familienphasen. Sie verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie zunehmend über einen akademischen Grad und Berufserfahrung.

Auch wenn tendenziell bei der jüngeren Müttergeneration die Dauer der Elternzeit abnimmt, befinden sich im Weserbergland immer noch viele gut qualifizierte Frauen in längeren familienbedingten „Auszeiten“. Qualifikationen müssen für die Berufsrückkehr dann häufig aufgefrischt oder neu erworben werden.

Die Rückkehr nach der Elternzeit oder einer Familienphase klappt selbst dann trotz eines besseren Angebots an Kinderbetreuung noch nicht immer wie erhofft. Die Wünsche der Mütter (und zunehmend auch der Väter) nach familienfreundlichen Arbeitsbedingungen - insbesondere nach mehr Arbeitszeit- und Arbeitsortflexibilität - stellen für die Arbeitgeber häufig große betriebliche Herausforderungen dar und erscheinen häufig als unüberwindbare Hürde. So ist der Weg zurück in den Beruf nach einer längeren „Auszeit“ oft ein längerer Prozess.

Als Projekt der Weserbergland AG unterstützt die „Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft“ sowohl Frauen als auch Unternehmen mit Beratungs- und Weiterbildungsangeboten, einem Fachkräftepool und dem überbetrieblichen Verbund Frau und Wirtschaft. Die Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen und bestätigt damit die derzeit hohe Nachfrage nach weiblichen Fachkräften. Allein von den im Jahr 2014 in Einzelgesprächen beratenen 154 Frauen befinden sich der jüngsten Befragung im Februar 2016 zufolge mittlerweile 78 Prozent wieder in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Dabei zeigt sich, dass der Anteil der Wiedereinsteigerinnen in der Altersgruppe der Über-45-Jährigen in den vergangenen Jahren gestiegen ist.

Auch Alleinerziehende fanden zurück in den Beruf.

Ihnen kamen neben einer besseren Kinderbetreuungsstruktur häufig eine starke persönliche Motivation und ein gutes Organisationstalent zugute. Der Anteil der beratenen Selbstständigen und Gründerinnen betrug 24 Prozent.

Aber wo sind sie gelandet, die Wiedereinsteigerinnen? Sicher haben einige von Ihnen neue Stellen ergattert. Im Januar 2016 waren im Arbeitsbezirk Hameln 2346 offene Stellen gemeldet - im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von 20 Prozent.

Die mit Abstand meisten sozialversicherungspflichtigen neuen Stellen für Frauen sind im Gesundheits- und Sozialwesen entstanden. Als Beschäftigungsmotor erwiesen sich zudem der Einzelhandel, die Zeitarbeit und der Sektor Erziehung und Unterricht. Ein Zuwachs an neu gemeldeten Stellen kommt aber auch aus den Bereichen Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit sowie Informatik und Technik. Hier haben die Männer aber traditionell noch immer „die Nase vorn“.

Kirstin von Blomberg

Quelle: WIRtschaft kompakt, Ausgabe März 2016


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