… Vater sein dagegen sehr

24.02.2016

Frauenaktionstage im Landkreis Holzminden eröffnet mit dem 14. Unternehmens-Netzwerktreffen Frau und Wirtschaft

Holzminden (bs). Startschuss für die Frauenaktionswochen im Landkreis Holzminden. Bis zum 17. März dreht sich alles um Gleichberechtigung, Familie und Beruf. Es gibt Vorträge, Diskussionen, Erzählcafés und Kabarett. So kennt man es von den Frauenaktionswochen. Und doch ist beim Auftakt diesmal vieles anders. In den Fokus rückt der Mann. Der Vater, der aufgerieben wird zwischen Beruf und Familie. „Rolle vorwärts. Wenn Mütter mehr und Väter weniger arbeiten“, ist der Abend überschrieben, auf dem sich drei Referenten auf die Suche machen nach partnerschaftlichen Modellen in der Berufswelt von heute und morgen.

Großes Interesse vor allen Dingen von Frauen bei der Abendveranstaltung... Quelle: Täglicher Anzeiger Holzminden

Der Auftakt für die Frauenaktionswochen ist gleichzeitig das 14. Treffen des Unternehmensnetzwerkes Frau und Wirtschaft im Weserbergland. Und dazu finden sich Montagabend im Energy Campus des Holzmindener Unternehmens Stiebel vor allen Dingen Frauen ein. Aus Schaumburg, Hameln, selbst aus Hannover sind sie angereist, dazu viele Unternehmensvertreterinnen aus dem Kreis Holzminden. Sie werden an diesem Abend „mit ganz neuen Rollenbildern konfrontiert“, wie die Landrätin Angela Schürzeberg in ihrer Begrüßung betont.

Die Konfrontation übernehmen Christian Hoenisch vom Referat Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Thomas Gersterkamp, Buchautor und Journalist, sowie Larissa Roy-Chowdhury vom Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“ der DIHK-Service GmbH aus Berlin.

„Die Männer kommen in Bewegung, sie wollen sich nicht mehr entscheiden müssen zwischen Beruf, Karriere und Familie“, sagt Christian Hoenisch. 60 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren wünschten sich ein partnerschaftliches Berufsmodell, nur 14 Prozent aber könnten diesen Wunsch auch leben. „Vater sein dauert 20 Jahre und nicht nur ein paar Monate“, betont Dr. Thomas Gersterkamp, der eine väterbewusste Personalpolitik fordert. Und Larissa Roxy-Chowdhury findet in aktuellen Umfragen neue Väter-Wünsche, die auf veraltete Strukturen stoßen: 32 Prozent der Väter gehen in Elternzeit, davon 80 Prozent für 2 Monate; 79 Prozent der Väter wünschen sich mehr Zeit für die Familie; gut ein Viertel der Väter mit Kindern unter 18 Jahren würde gerne einige Wochenstunden weniger arbeiten. Tatsächlich umsetzen können dies aber nur sechs Prozent.

...zum Schluss wurden am Flipchart Stichworte gesammelt. Quelle: Täglicher Anzeiger Holzminden

Fehlendes Vertretungsmanagement, die Männer als Haupternährer für die Familie, Teilzeitangebote, die zu sehr auf Frauen ausgerichtet sind – betriebliche Hindernisse für eine aktive Vaterschaft findet sie viele. Aber auch bei vielen Vätern eine Unwissenheit darüber, was die Unternehmen anbieten können.

Gerhard Starke, Leiter Personal- und Sozialwesen bei Stiebel Eltron, zählt auf, was bei Stiebel möglich ist. Rund 5 Mitarbeiter seien im vergangenen Jahr in Elternzeit gegangen, darunter etwa die Hälfte Männer. „Das ist schon eine große Herausforderung“, betont Starke, „aber es gelingt uns gut, weil wir uns frühzeitig abstimmen“. Stiebel hält eine Reihe von Kita- Plätzen vor, bietet Homeofficearbeitsplätze an und 80 verschiedene Arbeitsplatzmodelle, die es, so Starke, „jedem ermöglicht, sein familienorientiertes Arbeitszeitmodell zu finden.“ Für den Personalchef ist klar: „Die demografische Entwicklung zwingt uns, innovative Lösungen zu finden“.

Gerhard Starke richtet dabei auch einen Appell an die Politik „Es müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit junge Familien nicht ins wirtschaftliche Abseits gestellt werden.“

Quelle: Täglicher Anzeiger Holzminden, 24. Februar 2016

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