Mit Familienfreundlichkeit Nachwuchs gewinnen und binden

23.07.2015

Neues „ElterngeldPlus“ schafft zusätzliche Anreize für partnerschaftliche Teilzeitarbeit

Wer heute als attraktiver Arbeitgeber gelten will, kommt um das Thema „Beruf und Familie“ nicht herum. Allein vor dem demografischen Hintergrund, dass Bewerberzahlen abnehmen und zugleich eine neue Generation (Generation Y) auf den Arbeits- und Ausbildungsmarkt kommt, lohnt es sich für Unternehmen, neue Strategien für die Personal-Rekrutierung und das Personalmarketing zu entwickeln.

Bei der Wahl des Arbeitgebers bewerten Fachkräfte zwischen 25 und 50 Jahren die Vereinbarkeit von Beruf und Familie heute als ebenso wichtig wie die Gehaltsfrage. Das ist das Ergebnis von Repräsentativbefragungen im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Insbesondere in Branchen mit Berufen, in denen sich bereits Fachkräfteengpässe abzeichnen (wie in der Gesundheitsbranche und im Bereich der Sozialen Arbeit, bei den sogenannten MINT-Berufen, im Handwerk, vereinzelt im Handel sowie im Finanz- und Steuerwesen), lohnt es sich, Familienfreundlichkeit zum individuellen Markenzeichen zu machen.

Um die Berufschancen für Frauen zu verbessern, bietet die Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft Tranings, Seminare und Workshops an. Hier Teilnehmerinnen des Workshops "Die Kunst, erfolgreich ins Gespräch zu kommen". Quelle: Weserbergland AG

Einige Unternehmen aus dem überbetrieblichen Verbund Frau und Wirtschaft haben sich diese Erkenntnis bereits zu Nutze gemacht und bieten ihren Mitarbeitern und deren Partnern betriebliche Unterstützung bei der Kinderbetreuung an. Die Modelle reichen von der Übernahme der Kita-Gebühren über Belegplätze bis hin zur eigenen oder überbetrieblichen Kita oder Großpflegestelle. Andere bieten individuelle Rückkehrmöglichkeiten und flexible Teilzeitarbeitsmodelle nach Elternzeiten an.

Kleine und mittlere Unternehmen sind bei dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie oft weiter als man von außen erkennen kann. So ist eine familienfreundliche Unternehmenskultur in einem Familienunternehmen häufig fest verankert. Bei der Rekrutierung von Führungskräften schaffen es diese oft besser als die Global Player, die Flexibilitäts- und Vereinbarkeitsansprüche von Nachwuchskräften zu erfüllen.

Dennoch tritt die Verbindung von Karriere und Familie bei der Werbung um Nachwuchskräfte auf Websites oder in Stellenanzeigen nur selten auf. Die Spielräume dieser Unternehmen, Möglichkeiten der kurzen und schnellen Entscheidungswege für individuelle Lösungen zur Vereinbarkeit und den direkten Draht zum Chef zu nutzen, sind noch groß: So berichten es Personalexperten von Mitgliedern aus dem bundesweiten Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“.

Die Frage, was passiert, wenn Fach- und Führungskräfte – insbesondere Frauen – wegen familienbedingter Auszeiten ausfallen, scheint für viele Unternehmen noch nicht gelöst. Befragungen im Auftrag des Bundesfamilienministeriums von Schülern, Studierenden und Young Professionals (die sogenannte Generation Y unter 30 Jahre) zu deren Karriereplänen ergeben, dass beide Geschlechter bei der Jobwahl zuallererst auf attraktive Arbeitsaufgaben achten.

Gefragt nach der Work-Life-Balance gibt diese Gruppe den Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten und einer familienfreundlichen Unternehmenskultur an. Insbesondere die gut ausgebildeten Young Professionals setzen auf Partnerschaft, Karriere und Kinder. 90 Prozent der jungen Erwachsenen finden, dass beide Elternteile sich um die Kinder kümmern sollten. 30 Prozent der beschäftigten Väter nehmen inzwischen mindestens zwei Monate Elternzeit. Das ab 1. Juli 2015 geltende „ElterngeldPlus“ wird weitere Anreize schaffen, sich Arbeits- und Familienzeit während des Elterngeldbezugs zu teilen. Neben einer Verdopplung der Elterngeldmonate wird ein Partnerschaftsbonus mit einer weiteren Verlängerung des „ElterngeldPlus“ um vier Monate locken.

Allerdings meinen Experten, dass Ansätze zur Flexibilisierung der Arbeitszeiten oder zur Kinderbetreuung allein für die Generation Y zu kurz greifen. Damit die Jüngeren ihren Kinderwunsch realisieren, wird auch das Thema Arbeitsplatzsicherheit zukünftig verstärkt eine Rolle spielen. Aussichten auf individuelle Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten in und nach der Elternzeit sind für Mütter und Väter wichtig.

Im Zuge des zunehmenden Fachkräftebedarfs machen sich Unternehmen zunehmend Gedanken, wie auch familienbedingte Ausfälle durch Geburten und Elternzeiten überbrückt werden können. Neben einer familienfreundlichen Unternehmenskultur rücken praktische Ansätze wie Pools an Beschäftigten ohne feste Position „für den Fall, dass“ in den Fokus.

Die Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft unterstützt Unternehmen aus dem überbetrieblichen Verbund mit einem zurzeit aus rund 450 Frauen bestehenden Fachkräfte-Pool. Wenn Stellen kurzfristig oder auch auf Dauer auf Grund von familienbedingten Auszeiten oder Erweiterungen zu besetzen sind, so bietet dieser von gut ausgebildeten Fachfrauen im Alter von 30 bis 55 Jahren gebildete Pool vielfältige Möglichkeiten. Dabei zeigt die Erfahrung, dass auch Frauen Ü50 durchaus gefragt sind.

Quelle: WIRtschaft kompakt, Heft 39, Juli 2015

Aktuelles Programm

2. Halbjahr 2017

hier in Kürze zum Einsehen!