Ansprüche der jüngeren Fachkräftegeneration sind hoch

29.07.2015

Weserbergland. Bei der Gewinnung von Nachwuchs-Fachkräften müssen sich die Unternehmen auf veränderte Wünsche und Ansprüche einstellen. Für die sogenannte Generation Y, derzeit am stärksten am Arbeitsmarkt vertreten, soll die Arbeit sinnvoll und abwechslungsreich sein. Für sie wird Arbeitszeit zur Lebenszeit und sollte deshalb in Idealfall selbst und flexibel bestimmbar sein. Diese Erkenntnis stellt Unternehmen im Wirtschaftsraum Weserbergland vor große Herausforderungen. Doch rechtszeitig erkannt, schaffen es immer mehr Arbeitgeber, mit innovativen Personalstrategien auch diese Fachkräfte-Generation (geburtenschwache Jahrgänge) für sich zu gewinnen und im Wettbewerb um Fachkräfte gut aufgestellt zu sein. Drei Unternehmen stellten sich im Rahmen des 12. Unternehmens-Netzwerktreffens der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft – Stabstelle der Weserbergland AG – bei der Volksbank in Holzminden den rund 40 Gästen vor.

Kirstin von Blomberg, Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft, bedankt sich bei den Unternehmensvertretern für ihre Beiträge. Von links: Hauko deBoer und Oliver Böhle (deBoer Ambulanter Pflegedienst) mit Sohn Jano, Verena Liane Ottermann (Lenze SE), Beate Lönnecker (Volksbank Holzminden) Quelle: Weserbergland AG

Die Generation Y, geboren zwischen 1981 und 1995, legt Wert auf guten Lohn, einen sicheren Arbeitsplatz und gute Karriereperspektiven. Und sie will die Arbeit und Familie gut miteinander vereinbaren können. Verena Liane Ottermann von der Personalentwicklung der Lenze SE bezog sich bei ihrem Vortrag auf eine neue Studie der Ostfalia Hochschule in Braunschweig und ergänzte die Ergebnisse mit betrieblichen Erfahrungen bei Lenze. Eine permanente Aufmerksamkeit und Erreichbarkeit sowie die Einbindung in soziale Netzwerke führt bei dieser Generation häufig zu Mangel an Zeit und Lebensqualität. Gleichzeit besteht ein reger Wunsch nach festen Bindungen und Familie. Tradiertes Denken in Rollen ist vorbei. Männer wollen planweise weniger als Vollzeit und Frauen häufig vollzeitnah arbeiten. Da sich die „Ypsiloner“ ungern an äußere Bedingungen des Arbeitgebers anpassen, die nicht ihren Vorstellungen entsprechen, empfiehlt Ottermann: „Wir müssen individuell auf jeden Einzelnen eingehen und ihm die Möglichkeit geben, sich im Rahmen von flexiblen Arbeitszeiten einzubringen.“

Das familienfreundliche Angebot der Firma Lenze beinhaltet zum Beispiel ein Begrüßungsgeld für jedes neugeborene Kind in Höhe von 500 Euro und Lösungen für den schnellen Wiedereinstieg nach der Geburt. Sofern es der Arbeitsplatz zulässt, kann Arbeit auch von zu Hause aus erledigt werden. „Auch bei der Kinderbetreuung unterstützt Lenze Eltern, und zwar mit Informationen über Kitaplätze und einen Eltern-Service bei Betreuungsengpässen sowie durch einen steuerfreien Kinderbetreuungszuschuss“, so die Personalfachfrau. Die Arbeitszeiten seien durch die Abschaffung der Kernarbeitszeit im Januar 2015 insgesamt flexibler geworden.

Des Weiteren beeindruckte das junge Unternehmen „deBoer Ambulante Pflege“ aus Bevern. Hauko deBoer, der den Pflegedienst in Bevern zusammen mit seiner Ehefrau 2011 gegründet hat, erzählte von einer bemerkenswerten Entwicklung der Mitarbeiterzahl: derzeit 131 Personen. Auf den Männeranteil von 16 Prozent ist er stolz, denn das ist viel in der Branche. „Das Geheimnis des rasanten Wachstums an Pflegepersonal liegt in der guten Bezahlung mit Wochenend-, Feiertags- und Nachtzuschlägen, festen Arbeitsverträgen (keine Befristungen) mit betrieblicher Altersvorsorge und einer familienfreundlichen kooperativen Unternehmenskultur“, so der Geschäftsführer. „Flexible Arbeitszeiten und Unterstützung bei der Kinderbetreuung haben einen hohen Stellenwert“, betont auch Oliver Böhle, Mitgeschäftsführer der Firma. Der Dienstplan werde bei Bedarf zum Beispiel individuell auf die alleinerziehende Mitarbeiterin oder auf die Arbeitszeiten eines Lebenspartners der jeweiligen Mitarbeiterin zugeschnitten.

Auch Beate Lönnecker, Personalleiterin der Volksbank Holzminden, berichtete in der Talkrunde zum Thema Teilzeit, dass mit flexiblen – insbesondere Gleitzeiten – im Hause Mitarbeiter gebunden werden. Ob Väter sich denn zukünftig vermehrt trauen würden, längere Elternzeiten auch in Teilzeit beantragen, war sie sich nicht sicher. Es fehlen männliche Vorbilder für solche Modelle, so waren sich die Personalverantwortlichen einig. Kein Wunder, denn das neue ElternGeld Plus ist erst am 1. Juli in Kraft getreten. Joachim Schöl und Anja Krull von der Elterngeldservicestelle des Landkreises Holzminden hatten zuvor den neuen Partnerschaftbonus für Mütter und Väter in Elternzeit vorgestellt, der dann wirksam wird, wenn beide in Teilzeit von 25 bis 30 Stunden arbeiten.

Quelle: Schaufenster – Weserbote, 29. Juli 2015

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