Familie ist genauso wichtig wie der Beruf

14.07.2015

12. Unternehmens-Netzwerktreffen „Frau und Wirtschaft“ beschäftigt sich mit den Wünschen von Fachkräften

Holzminden (pd). Die Wünsche von Arbeitnehmern stellen für Unternehmen heutzutage nicht mehr ein notwendiges Übel dar. Speziell, wenn es um die gemeinsame Verantwortung für Familie und Beruf geht, führt der zunehmende Fachkräftemangel zu einem Umdenken. Auf dem 12. Unternehmens-Netzwerktreffen der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft der Weserbergland AG in den Räumen der Volksbank Weserbergland wurde die Frage nach den realisierbaren Möglichkeiten breit vorgestellt und diskutiert. Im Bewusstsein von Politik, Wirtschaft und Beschäftigten, so scheint es, hat sich einiges getan.

Nach kurzer Einführung und Begrüßung durch Dr. Jutta Klübler-Süßle von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Holzminden und Beate Lönnecker als Personalleiterin der gastgebenden Volksbank Weserbergland sowie entsprechender Anmoderation von Kirstin von Blomberg von der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft wurde es konkret.

Die neuen Werte der Generation Y

Liane Ottermann, Human Resources Development-Managerin der Firma Lenze aus Groß Berkel, Hauptreferentin des Netzwerktreffens, thematisierte ein sich veränderndes gesellschaftliches Wertesystem anhand der sogenannten „Generation Y“, laut Ottermann jener Menschen, die von 1980 bis 1990 geboren wurden. Diese Generation habe andere Werte als die ihr vorgegangene, weil ihr der sichere Arbeitsplatz und eine gute Vergütung gepaart mit einer ausgewogenen Work-Life-Balance besonders wichtig sei.

Nach entsprechenden Umfragen und repräsentative Untersuchungen ist dieser Altersgruppe von Beschäftigten also die Vereinbarkeit von Arbeit und Beruf besonders wichtig, führte Ottermann aus. Der Anspruch an den Arbeitgeber nach Flexibilität, guter Arbeits-Atmosphäre bei gleichzeitiger Selbstverwirklichung und sicherem Arbeitsplatz zeuge von einem neuen Selbstbewusstsein. Ihr Unternehmen habe entsprechend reagiert und verschiedene Änderungen zur Annäherung an diese Vorstellungen vorgenommen. Dazu gehören bei Lenze mittlerweile deutlich flexiblere Arbeitszeitmodelle ebenso zum Alltag wie die Hilfe, um Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder zu finden oder etwa, als Familie gemeinsam in der Kantine zu essen.

Wie sich ein solches Konzept zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf tatsächlich auch für mittelständische Arbeitgeber mit verhältnismäßig geringem, oder zumindest bezahlbarem finanziellen Aufwand realisieren lässt, zeigten Hauko deBoer und Oliver Böhle von der Ambulanten Pflege deBoer aus Bevern beispielhaft auf. Das noch junge, 2011 mit zwei Mitarbeitern gestartete Pflegeunternehmen kann mittlerweile auf 129 Mitarbeiter zählen. Grund für diesen in einer ansonsten eher mit schwierigen Arbeitsbedingungen kämpfenden Branche war vor allem die Grundeinstellung des selbst lange Jahre als Pfleger arbeitenden Ehepaares.

„Wir müssen die Mitarbeiter da abholen, wo sie sind“, stelle Hauko deBoer gleich an den Anfang seiner Ausführungen. Bedeutet im Klartext: Die angestellten Pfleger, über 80 Prozent davon weiblich, müssen sich nicht dem Dienstplan anpassen, sondern der Dienstplan wird ihren Wünschen gemäß aufgestellt. Mit gutem Erfolg. Denn ob die Pflegerin etwa zu selben Zeiten arbeitet wie ihr anderswo beschäftigter Mann oder eben genau dann, wenn er frei hat, möchte jede ganz unterschiedlich und individuell realisiert wissen. Der Aufwand eines komplizierter aufzustellenden Planes rechnet sich dabei auf längere Sicht für die deBoers bisher genauso wie die Einstellung von einer Erzieherin, die sich während der Arbeitszeiten der Pflegekräfte um den Nachwuchs kümmert oder ein flexibler gestalteter Wiedereinstieg nach der Elternzeit.

Flankierend dazu stellten Silvia Krull und Joachim Schöl von der Elterngeldstelle des Landkreises Holzminden das seit dem 1. Juli eingeführte Elterngeld plus vor, das Eltern einen partnerschaftlichen Umgang mit der Elternzeit und eine größere Flexibilität beim Wiedereinstieg in den Job nach der Elternzeit auch finanziell ermöglichen soll. Nach der neuen Regelung ist es beiden Partnern möglich, vier Monate lang gleichzeitig bei einer Elternteilzeit von 25 bis 30 Wochenarbeitsstunden finanziell unterstützt werden.

Dass „gut gemeint“ allerdings nicht immer „gut gemacht“ zu sein scheint, machte der Einwand einer Beraterin aus Hameln deutlich. Als volles Einkommen gewertet, komme da so manche Familie schlechter weg, weil sie in der Steuerprogression nach oben rutsche und dann Steuern nachzahlen müsse, warf die Beraterin ein.

Quelle: Täglicher Anzeiger Holzminden, 14. Juli 2015

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