Mit familienbewusster Personalpolitik punkten

13.11.2014

Teilzeitausbildung lässt Unternehmen für Mitarbeiter attraktiver werden

Familienfreundlichkeit kann Unternehmen zu attraktiven Arbeitgebern machen. Um eine familienbewusste Unternehmenskultur zu entwickeln, steht dem jeweiligen Unternehmen eine breite Auswahl an konkreten Angeboten zur Verfügung.

„Die familienbewusste Ausbildung ist ein vergleichsweise neues Thema im Kanon der familienbewussten Personalpolitik.“ So beschreibt es das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in der Broschüre„Familienbewusste Aus- und Weiterbildung“. Sie umfasst Ausbildungsangebote für (junge) Mütter und Väter, die aufgrund von Familienpflichten nicht auf klassischem Wege ins Berufsleben einsteigen konnten, dies aber nachholen wollen.

Insgesamt könnten Rückkehrende aus Familienphasen und Einstiegswillige mit Familienpflichten für Unternehmen künftig eine stärker zu beachtende Zielgruppe werden. Denn viele von ihnen sind überdurchschnittlich lebenserfahren, gut organisiert, engagiert und motiviert - vorausgesetzt, es gelingt ein adäquater Einstieg ins Unternehmen. „Wir können bereits von einigen Beispielen berichten, bei denen ein solcher Einstieg erfolgreich gelungen ist“, sagt Kirstin von Blomberg, Leiterin der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft bei der Weserbergland AG.

Vor dem Hintergrund, dass2013 bundesweit weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden und gleichzeitig die Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten haben, ihre angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen, kann die Teilzeitausbildung ein attraktives Instrument sein, um engagierte Auszubildende zu finden und zu binden. Insbesondere für kleine Unternehmen und Arbeitgeber, die es jetzt schon schwer haben, Auszubildende und Fachkräfte zu finden, kann die Teilzeitausbildung eine gute Lösung sein.

So hat die Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Klinikums Schaumburg die Teilzeitausbildung als modernes Instrument zur Vereinbarkeit von Berufsausbildung und Familie neu entwickelt. Anfang Oktober wurde ein neuer vierjähriger Ausbildungsgang für Gesundheits- und Krankenpfleger in Teilzeit mit 16 Auszubildenden gestartet.

Ein Interview mit Leiterin Anika Budde-Ruhnau:

Frau Budde-Ruhnau, was versprechen Sie sich von der neuen Ausbildung?

Durch die Erschließung der skizzierten Zielgruppe motivierten, lebenserfahrene und gereifte Persönlichkeiten, die ganz viele persönliche Stärken in ihre Ausbildung im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege mit einbringen. Wir erhoffen uns Persönlichkeit und Potenzial, das bisher für uns brach lag, da das Organisationsprinzip des Schichtdienstes der Vereinbarkeit von Familie und Ausbildung entgegenstand.

Wie funktioniert Ihr Konzept der Teilzeitausbildung?

Die gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte werden auf vier statt drei Jahre verteilt angeboten, was zu einer Reduktion der wöchentlichen Ausbildungszeit auf 30 Stunden führt. Die Organisation der praktischen Ausbildung erfolgt nicht mehr nach dem gewohnten Schichtbetrieb, sondern anhand einer Kernarbeitszeit, die um 7.30 Uhr beginnt, sodass eine Kinderbetreuung möglich ist.

Wer sind die neuen Auszubildenden? Wo kommen diese her?

Unsere „neuen“ Auszubildenden sind ausnahmslos weiblich, in Partnerschaft oder alleinstehend lebend und haben die Erziehungsverantwortung für ein bis drei Kinder. Die Altersspanne bewegt sich schwerpunktmäßig zwischen Mitte 20 bis 40 Jahre. Finanzielle Unterstützungen sind in individueller Weise für die Teilnehmerinnen möglich - zum Beispiel durch die Agentur für Arbeit, die Job-Center, die Jugendämter und dergleichen.

Was zeichnet die Auszubildenden in Teilzeit aus Sicht der Schulleitung aus?

In unseren Vollzeitkursen sind auch immer mal wieder Auszubildende, die bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Kinder haben. Aus unserer Erfahrung mit diesen „älteren“ Schülerinnen und Schülern wissen wir, dass diese besonders motiviert und diszipliniert sind. Ich gehe davon aus, dass diese Attribute auch auf unsere Teilzeitauszubildenden zutreffen.

Welche Vorteile ergeben sich für den Arbeitgeber?

Sind die Rahmenbedingungen vor Aufnahme der Ausbildung geklärt, bekommt der Arbeitgeber hochmotivierte Auszubildende. Wir wissen, dass Mütter mit Kindern – aber auch pflegende Angehörige - manchmal aus familiären Gründen kurzfristig ihre Arbeit nicht aufnehmen können. Wir glauben aber, dass die Leistungsbereitschaft dieser Mitarbeiter diese Tatsache bei Weitem in den Schatten stellt.

Quelle: WIRtschaft kompakt, Heft 37, November 2014