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Alles dran, alles drin?

25.09.2014

Ein Blick in das neue Begrüßungspaket des Landkreises

Rucksack: Ganz schön schwer. Das Bild vorne drauf mit den Maskottchen Leo und „Ich habe seinen Namen vergessen“ – hm, wer dabei erwischt wird, dass er sein Kind im Straßenverkehr so transportiert, im Anhänger, ohne Helm, sondern mit wehendem Krönchen, unangeschnallt – das hagelt Polizei-Mecker! Aber nett gestaltet. Darunter das Motto „Gemeinsam Leben gestalten“. Mal sehen, wie oft der Landrat beim Wickeln hilft…

Jede Menge nützliche Infos für Eltern sind in dem blauen Rucksack enthalten – einiges ist aber erst „für später“. Dana

Reißverschluss auf, und … wie spannend. Da ist jede Menge drin. Fange ich mit dem dicken Ordner an? Oder mit dem, was ist denn das da in Tüll? Ah, es ist ein…

… Probenset von Sebamed Baby. Pflegelotion, Waschlotion Haut und Haar, Pflegecreme Ökotest sehr gut. Sehr gut. Dürfen die das? Eine Marke rauspicken und die an den Mann und das Baby bringen? Mir als Empfänger erst mal egal, riecht jedenfalls gut. Parfüm ist drin – einigen Eltern könnte das trotz Ökotest-Urteil missfallen. Trotzdem: Cremes & Co. kann man kaum genug haben.

Zahnbürste: Ich gestehe, daran habe ich in den ersten Wochen nach der Geburt nicht im Traum gedacht, dass dieses kleine Wesen irgendwann einmal eine Zahnbürste brauchen könnte. Danach allerdings, als die Zähne sich dann doch irgendwann ihren Weg bahnten und Brei besser war als Milch, habe ich ich-weiß-nicht-wie-viele Exemplare von Baby-Zahnputzgeräten gekauft, weil ich nicht wusste, welches das richtige war. Mir hätte dieses Edel-Exemplar mit „babyweichen Borsten“ für 4 bis 24 Monate alte Babys/Kinder genützt – wenn ich sie denn dann in der „Brauchen-wir-irgendwann-mal-Kiste“ zufällig wiederentdeckt oder, was unwahrscheinlicher gewesen wäre, noch gewusst hätte, wo ich sie hingetan habe.

Eine DVD „Wie Babys sich entwickeln“. Sechs Filme für Eltern mit Kindern von null bis zwei. Auf Deutsch, Türkçe, Arabisch (die Schriftzeichen finde ich nicht…), Russisch (die auch nicht), Polski, Francais und English. Vom Arbeitskreis Neue Erziehung e.V. Muss ich mir mal in Ruhe ganz angucken (Ru-was?). Nach dem Reinzappen würde ich sagen: Gut und informativ. Ich schwöre außerdem auf Remo H. Largo und sein Buch „Babyjahre“. Auch von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) gibt es tolle Broschüren über Kindesentwicklung. Bin gespannt auf die Filme.

Eine CD: Ach. Das „Zahnputz-Zauberlied“, GEMA-frei, „mit Musik macht allen das Zähneputzen noch mehr Spaß“. Noch mehr? Wo es doch schon jetzt nichts Schöneres gibt als Zähneputzen, haha. Das werde ich heute Abend gleich zu Hause am lebenden Objekt testen. Und noch einmal, wenn er’s alleine kann. Ach nee, da, es gibt auch noch eine Langversion von 5:48 Minuten – „durch die gedoppelten Strophen haben Kinder und Eltern mehr Zeit für alle Putzbewegungen“. Schön. Wenn diese CD Wunder wirkt und bühnenreife Putz-Theater ablöst, gibt’s ein persönliches Dankschreiben von mir an das Orga-Team, das den Rucksack geschnürt hat. Wenn nicht, muss einer von denen zum Zähneputzen kommen.

Zahn… WAS? Zahnärztlicher Kinderpass. Na prima. Das, also mein Kind ist in’ Brunnen gefallen. So was halte ich zum ersten Mal in den Händen. Kein Witz – davon wusste ich nichts. Das Heftchen ist aufgebaut wie das Vorsorgeheft für die U-Untersuchungen beim Kinderarzt, eben nur für den Zahnarzt. Zum ersten Mal hätte ich zur UZ1a zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat auftauchen sollen. Schluck. Ich halte mich wirklich für eine, also, ich hielt mich wirklich für eine ziemlich gut informierte Mutter, die weiß, wann was ansteht. Aber dieses Heft ist mir bei all den Heften, Büchern, Broschüren, die ich im und auf dem Schreibtisch und im und unter dem Nachtschrank lagere, nie untergekommen. Dann los – Zahnarzttermin vereinbaren! Zugegeben: Das Heftchen hätte ich gerne von Beginn an gehabt. Davon abgesehen – jetzt mal ehrlich: So viel „Zahnarzt und Prophylaxe“ im Begrüßungspaket? Den Stress mit den Zähnen haben Eltern (und vor allem die Kleinen) weit vorher, dann, wenn die kleinen Beißer sich zum ersten Mal bemerkbar machen. Vielleicht wäre – habe ich von meiner Hebamme geschenkt bekommen und mich sehr darüber gefreut – ein erster Kühl-Beiß-Ring doch etwas dichter an der Lebenswelt der Jungeltern.

Wimmelbuch: Richtig gut, das große Wimmelbuch des Landkreises im Heftchen-Format zum Reinschnuppern, mit Wimmelbildern aus der Region. Gut aufheben für später, liebe Neugeborenen-Eltern.

Oh, die Kritik von oben nehme ich (fast) zurück! Ich habe gerade unten auf dem Boden des Rucksacks gewühlt – da hatte sich ein Beißring versteckt, mit kleinen Borsten.Ich dachte zuerst, es sei ein Flaschenöffner und musste mich wundern. Entschuldigung.

Lach! Verzeihung. Da steht drauf „Groß werden mit der Kreisabfallwirtschaft“. Groß werden mit übelriechenden Windeln, groß werden mit anderen Hinterlassenschaften der zivilisierten Gesellschaft, groß werden mit – Müll. Ach, wie unromantisch. Aber die Idee ist süß: Eine Messlatte aus Altpapier, die man an der Wand oder Tür befestigen kann, um jeden zurückgelegten Zentimeter in die Höhe zu dokumentieren. Und auf die man die persönlichen Daten wie „Mein Lieblingsspielzeug“ oder „Meine Sandkastenliebe“ samt Foto verewigen kann, bis es endlich heißt „Ich bin groß“. Vielleicht kann man den Slogan samt Logo bei der nächsten Auflage irgendwo auf der Rückseite platzieren…?

Ein Buch. Mit dem schönen Titel „Du bist mir wichtig – Sicher und geborgen in die Welt hinaus“. Sehr ansprechend. Tipps für Eltern und alle anderen im Umfeld des Kindes, mit Texten über Beziehung, Selbstvertrauen, Sicherheit, Rituale, … „Richtet sich an Familien mit Babys und Kindern bis 12 Jahre.“ Auf den ersten Blick ein wichtiges Buch, das allen zumindest Grundkenntnisse in vielen relevanten Bereichen vermittelt. Gesponsort und herausgegeben übrigens von der Krankenkasse Barmer GEK.

Und das? Die Krankenkasse Barmer GEK, die das tolle Buch gesponsert und da ja auch schon mit ihrem Namen geworben hat, durfte offenbar ein DIN-A4-Blatt beilegen und damit einen Wechsel zu sich ganz offensiv bewerben. Außerdem „wartet ein Lätzchen zur Begrüßung Ihres Kindes im Landkreis Hameln-Pyrmont“. Nun bin ich sogar bei dieser Kasse, und damit zufrieden, aber das geht zu weit, finde ich. Das muss nicht sein. Fällt wohl unter – Plumpes Public Private Partnership.

Zu guter Letzt: Ein dicker Ordner. Sicher das Kernstück des Willkommenspakets. Layout: fröhlich, bunt, hat nichts von Verwaltung. „Vom ich zum wir – gemeinsam Leben gestalten im Landkreis Hameln-Pyrmont“ steht drauf. Auf der Innenseite des Ordnerdeckels ist eine Übersicht mit vielen Telefonnummern von den Standards wie Polizei und Feuerwehr über Nummern des Sana-Klinikums, der Giftnotrufnummer in Göttingen und des Kinderschutzbunds. Auch Frauenzentrum, Krisendienst des Jugendamtes und das Sorgentelefon sind vermerkt. Wirklich gut. Auch wenn’s irgendwie bedrückend ist, dass da nur Nummern für Krisen auftauchen…

Noch ein Oh! In dem Ordner befindet sich ja eine der weiter vorne gelobten Broschüren von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: „Das Baby“. Ich kann’s nur noch einmal loben – die sind wirklich informativ und übersichtlich. Und jetzt bin ich platt. Das, was sich mir da an Informationen offenbart, überwältigt mich im besten Sinne. Die 167 Seiten starke Broschüre in DIN-A4 enthält alles, was man als Mutter, Vater in den ersten Wochen, Monaten, Jahren suchen könnte. Hebammenpraxen, Elterngeldstelle, Angebote für Väter, Frühförder-Angebote für die Kleinen, von Krabbelgruppen über Pekip und Delfi (mit Erklärung) bis Musik, Babyschwimmen, sämtliche Kitas im Landkreis, wow. Diese Übersicht ist ein echter Service – ich musste mir vor zwei Jahren noch alle Infos einzeln zusammensuchen. Einiges davon könnte man allerdings schon vor der Geburt gut gebrauchen, dann, wenn man noch Zeit zum Stöbern und Denken hat.

Nützlich auch: Flyer zu den Themen „Das beste Essen für Babys“, ebenso für „Kleinkinder“, Hilfe bei Schreibabys, „Frühe Hilfen“, übersichtliche Aufkleber für jene, die es klar und einfach lieben mit wesentlichen Hinweisen auf das, was Babys und Kleinkinder brauchen. Dazu ein leuchtender Aufkleber „Kinderfinder“ für die Kinderzimmertür, damit im schrecklichen Falle eines Feuers, die Kleinsten schnell gefunden werden. Und, last, but not least, für die Zeit, in der Mama aus dem Gröbsten raus ist: ein Gutschein für ein persönliches Beratungsgespräch bei der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft – damit der Wiedereintritt in die Arbeitsatmosphäre leichter fällt.

Fazit: Super! Was Eltern mit dem Begrüßungspaket an die Hand bekommen, ist wirklich hilfreich und umfassend. Alle Achtung! Wie es ankommt, dass das mit einem persönlichen Besuch eines Kreismitarbeiters verbunden ist – keine Ahnung. Dass es sämtliche Infos der großen Broschüre auch auf der Internetseite des Landkreises gibt – umso besser. Denn in den Genuss des gefüllten Rucksacks kommen ja nur die Neuankömmlinge und deren Eltern.

Es ist winzig, schreit, und eine Gebrauchsanweisung liegt nicht bei. Intuitives Handeln konkurriert mit kopflastiger Unsicherheit, wenn doch nur mal jemand sagen könnte, was zu tun ist! Paare, die zum ersten Mal Eltern werden, haben’s ohne die mit bewährtem Wissen getränkte Großfamilie nicht leicht. Wohin, wer hilft, was nun? Antworten will der Landkreis Hameln-Pyrmont bieten in Form des neuen „Begrüßungspaketes“. Das steht jetzt vor mir, ansprechend im blauen Rucksack. Als Mutter eines Zweijährigen gehöre ich zwar nicht mehr zur direkten Zielgruppe, aber ich erinnere mich gut, welche Hilfe willkommen gewesen wäre. Und mit etwas Abstand lässt sich ja eh alles am besten bewerten – also, ausgepackt …

Von Birte Hansen

Quelle: DEWEZET, 25. September 2014