„Punkten Sie mit Ihrer Persönlichkeit gegen Jüngere“

18.04.2012

„Frau und Wirtschaft – Initiativtreffen Bad Münder“: Hilfe und Anregungen zum Thema beruflicher Wiedereinstieg

Bad Münder (lil). Sie alle haben einen anderen Werdegang, doch ein Ziel verbindet sie: der berufliche Wiedereinstieg. Unterstützung und Anregungen zum Thema haben sich einige Frauen bei einer Infoveranstaltung inklusive Workshop im Foyer des Martin-Schmidt-Konzertsaals geholt. Dazu eingeladen hatten in Bad Münders Gleichstellungsbeauftragte Ursula Behrens und die Hamelner Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft.

Gleichstellungsbeauftragte Ursula Behrens (l.) und Projektleiterin Lena Specht mobilisieren Frauen zum beruflichen Wiedereinstieg. lil

„Wo sind Ihre Ziele?“, „Wo sind Ihre Probleme?“ – diesen und anderen Fragen gingen die Projektleiterinnen Lena Specht und Kirstin von Blomberg mit den Teilnehmerinnen auf den Grund. Mangelnde PC-Kenntnisse, ihr Alter oder die Finanzierung waren einige Faktoren, die die Frauen als Schwierigkeit beim Wiedereinstieg sahen. „Punkten Sie mit Ihrer Persönlichkeit gegen jüngere Bewerber“, motivierte Specht die 35- bis 58- Jährigen. Viele Unternehmen seien offen für Wiedereinsteigerinnen, weil sie ältere Frauen als Bereicherung sähen. Auch empfahl Specht, im Anschreiben seine Bereitschaft zu Weiterbildung anzugeben.

Dass Frauen ihre Stärken nach längerer Pause nicht mehr so leicht einschätzen können, bestätigte sich: Die Teilnehmerinnen hatten 30 Sekunden Zeit, drei Stären zu notieren, mit denen sie ihren potenziellen Arbeitgeber überzeugen wollten. Die Bilanz: Im Durchschnitt hatten sie nur zwei Eigenschaften parat. „Das Selbstvertrauen sinkt, wenn man lange draußen war“, so die Projektleiterin.

Flexibilität und Teamfähigkeit seien heute keine selbstverständlich, so Specht. Was viele Frauen hingegen unter den Tisch fallen ließen: ihr ehrenamtliches Engagement. „Wenn jemand im Verein Veranstaltungen organisiert oder als Kassierer tätig ist, beweist er Organisationstalent oder buchhalterische Qualitäten“, erklärte die Referentin. Behrens legte den Teilnehmerinnen ans Herz, sich für ihre Tätigkeiten Bescheinigungen ausstellen zu lassen. Wichtig sei generell, seine Stärken anhand von Beispielen zu belegen, so Specht. Sollte der Personaler nach Schwächen fragen, sei es ratsam, Eigenschaften zu nennen, die gleichzeitig Stärken sein. „Zu gutmütig zu sein kann im Team eine Stärke sein. Die Bewerberin ist hilfsbereit, gibt ihren Kollegen Tipps.“

Was Specht den Frauen mit auf dem Weg gab: „Wenn Sie Kinder haben, geben Sie in Ihrer Bewerbung an, dass diese betreut werden – in der Krippe oder im Notfall von den Großeltern.“ So komme kein Personaler auf die Idee, die Bewerberin fiele wegen Krankheit ihres Nachwuchses oft aus.

Quelle: Neue Deister-Zeitung, 18. April 2012