„Passt der Betrieb zu mir – und passe ich zur Firma?“

27.03.2012

Qualifiziert? Unternehmen verfolgen neue Strategien bei der Personalsicherung / Geld gibt es über die Arbeitsagenturen

Obernkirchen (rnk). Sandy Battermann ist ein Paradebeispiel für den BKK24–Chef Friedrich Schütte: Als Auszubildende ist sie gekommen, als Sozialversicherungsfachangestellte hat sie sich zur Krankenkassenbetriebswirtin weiterbilden lassen, heute leitet sie das Profitcenter für Ärzte, Zahnärzte und Krankenhäuser- und ist damit zuständig für den mit Abstand größten Ausgabenbereich der Krankenkasse.

Schütte formuliert seine These, die er an diesem Morgen mit Cornelia Kurth, Geschäftsstellenleiterin der Agentur für Arbeit in Schaumburg, vertritt, so: Der Ausbildungsmarkt in Schaumburg ist weiterhin ein Arbeitgebermarkt, aber immer mehr Firmen beklagen, nicht mehr die passenden Bewerber zu bekommen. Daher sollen neue Wege gegangen werden, denn wer einen Schaumburger ausbildet, der hält ihn in aller Regel auch in der Region; der verhindert, dass ein junger Mensch zur Ausbildung in die größeren Städte fährt und später dort sein Haus baut.

Bei der Nachwuchsgewinnung, so Schütte, sind neue Strategien gefragt. Die BKK sei sie schon gegangen, die neuen Wege, durchaus mit Erfolg: Beim HIT – dem Studien- und Berufstag der Arbeitsagentur Hameln – habe man zwei Auszubildende gewonnen, und über den Rintelner Tag der Ausbildung, der von der Arbeitsagentur (Hameln) Rinteln veranstaltet wurde, eine weitere Auszubildende.

Bei beiden Veranstaltungen habe man versucht, die Hemmschwellen für die Bewerber deutlich niedriger zu legen: Dort hätten sich interessierte Jugendliche mit Auszubildenden aus dem Betrieb, der sie interessieren würde, gleichsam auf Augenhöhe unterhalten. Denn potenzielle Azubis seien vor allem eins: schüchtern. Obwohl sie ein große Frage bewege: Passt der Betrieb zu mir, passe ich zur Firma?

Minden und Hannover mit lockenden Ausbildungs- und Arbeitsplätzen und eine bundesweit abnehmende Zahl an Ausbildungsbetrieben – das sei heute das Problem, erklärt Cornelia Kurth: „Firmen, die sagen, wir finden keinen Nachwuchs mehr, weil die Noten nicht stimmen, vergeben sich viele Chancen. Ein Praktikum sagt viel mehr über die Eignung aus als ein Schulzeugnis. Und so viele Hurra-Zeugnisse gibt es pro Jahrgang nun auch nicht.“

Schütte sieht es so: Wer in einer Firma ausgebildet werde, wer die Weiterbildungsangebote nutze, der biete seiner Firma nicht nur die Chance, die Führungsplätze aus dem eigenen Personalbestand zu besetzen, sondern genieße auch Vorteile in der praktischen Arbeit: Wer von hier komme, habe einen ganz anderen, nämlich näheren Bezug zu den Menschen und ihren Problemen in der jeweiligen Region.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Umschulung und Weiterbildung, die Qualifizierung von Arbeitssuchenden, sagt Cornelia Kurth: Gebe eine Firma einem Arbeitslosen eine Chance, dann sei die Arbeitsagentur bereit, ihn schon vor der Einstellung passend zum künftigen Arbeitsplatz weiter zu bilden. Soll heißen: Ein Betrieb ist an der Einstellung eines Arbeitslosen interessiert, es fehlen diesem aber noch berufliche Kenntnisse. Passgenau zu den Vorgaben des Betriebes und den Anforderungen des zukünftigen Arbeitsplatzes wird ein Arbeitsloser (noch vor der Einstellung durch den Betrieb) bei einem Bildungsträger qualifiziert. Nach der Weiterbildung wird der Arbeitssuchende dann vom Betrieb in ein Arbeitsverhältnis eingestellt.

Aber auch ein kompletter Neuanfang durch eine Umschulung sei möglich, wenn die Neuorientierung Erfolg auf dem Arbeitsmarkt verspreche. Dies gelte auch für Menschen, die über 50 Jahre sind. Umschulungen seien für die heimischen Betriebe zudem eine Alternative zur Ausbildung und auch in Teilzeit möglich, was vor allem für Alleinerziehende oder Berufsrückkehrer eine Perspektive sei. Allein 2,4 Millionen Euro stehen der Arbeitsagentur Hameln in 2012 für die Weiterbildung ungelernter arbeitsloser Menschen zur Verfügung.

Dritter wichtiger Punkt ist die Personalsicherung durch Weiterbildung der Beschäftigten. Schütte nennt Beispiele aus der eigenen Firma: Sandy Battermann, Leiterin des „Profitcenters Ärzte, Zahnärzte und Krankenhäuser“; nach einer Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten bei der BKK 24 erfolgte Fortbildung zur Krankenkassen-Fachwirtin und dann zur Krankenkassen–Betriebswirtin. Oder Nicole Pobloth, Mitarbeiterin in der Revisionsabteilung; nach der Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten bei einem anderen Unternehmen erfolgte eine Fortbildung zur Krankenkassen-Fachwirtin und dann zur Krankenkassen-Betriebswirtin. Oder Dennis Peter, seit August 2009 Auszubildender für den Beruf des Sozialversicherungsfachangestellten bei der BKK 24. Gute Ausbildung sei die Basis für ein erfolgreiches Berufsleben, aber es muss in jeder Lebenslage auch weiter gebildet werden, betonten Schütte und Frau Kurth. Dazu hat die BKK 24 in Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle „Frau und Wirtschaft“ der Weserbergland AG ein Projekt entwickelt, das sich „Eltern in Elternzeit“ nennt, kooperiert wird mit der Hochschule Weserbergland in Hameln.

Geld gibt es auch: Die Arbeitsagentur Hameln beteiligt sich in diesem Jahr an der Weiterbildung gering qualifizierter und älterer Beschäftigter in den heimischen Unternehmen mit rund einer Million Euro.

Wer einen Schaumburger ausbildet, hält ihn in der Region: Sandy Battermann, Leiterin des „Profitcenters Ärzte, Zahnärzte und Krankenhäuser“, Nicole Pobloth, Mitarbeiterin in der Revisionsabteilung, und Dennis Peter, seit August 2009 Auszubildender bei der BKK24.

Quelle: Schaumburger Nachrichten, 27. März 2012

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