"Zartes Pflänzchen", aber wichtig für Mitarbeiterbindung

30.09.2011

Erstes Unternehmens-Netzwerktreffen dreht sich rund um das Thema Familienfreundlichkeit und die praktische Umsetzung

Landkreis (kil). Familienfreundlichkeit in Unternehmen – "noch immer ein zartes Pflänzchen", aber gleichzeitig ein wichtiger Faktor, der, wenn es um Mitarbeiterbindung geht, "längst nicht mehr wegzudenken ist", hat Hans-Ulrich Born, Vorstandsmitglied der Weserbergland AG, beim 1. Unternehmens-Netzwerktreffen, das von der "Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft" im Wirtschaftsraum Weserbergland initiiert worden war, herausgestellt. Am Mittwoch trafen sich Unternehmer, Personalbeauftragte und weitere Interessierte bei der BKK24 in Obernkirchen, um über das Thema Familienfreundlichkeit und deren Umsetzung in der Praxis zu diskutieren.


Jutta Eggers liefert Beispiele von Familienfreundlichkeit in der BKK24. Foto: kil (Schaumburger Nachrichten)


Born zufolge stelle dieser Aspekt "ein Sahnehäubchen neben den konservativen Mitteln" dar. Ein größerer Dienstwagen oder eine Gehaltserhöhung reiche heute in Zeiten von Fachkräftemangel nicht immer aus, um qualifizierte Mitarbeiter langfristig zu binden. Im Wettbewerb der Unternehmen um die besten Arbeitskräfte werde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine immer größere Herausforderung bilden.

Mit Familienfreundlichkeit zu werben, ist die eine Sache, aber wie sieht es in der Praxis aus? Jutta Eggers, Personalleiterin der BKK 24, gab Antworten und lieferte Beispiele aus dem eigenen Unternehmen. Sie zerstörte die "Romantik" des Kinderkriegens, indem sie den Anwesenden nahelegte, dieses Thema mal "unternehmerisch zu sehen".

Die Eltern, die in Elternzeit gingen – noch immer überwiegend Frauen, aber bei der BKK24 im Durschnitt auch zwei bis drei Männer – hätten unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse, finanzieller wie sozialer Art. "Früher hatte man das so nicht im Kopf", meinte Eggers. Eltern gingen in Elternzeit, kamen wieder – und damit sei das Thema "abgehakt" gewesen. "So funktioniert das aber nicht mehr." Während Männer in der Regel nach der Elternzeit wieder Vollzeit durchstarteten, sehe das bei Frauen oft anders aus. Sie seien häufig besonderem Druck ausgesetzt. "Frauen steigen fast immer in Teilzeit wieder ein." Ihren eigenen Karriereplan stellten sie oft zurück. Was kann man diesen Mitarbeitern anbieten? Und wie kann das Unternehmen besser planen? Vor allem müsse man jeden Fall individuell betrachten. Flexible Arbeitszeiten bildeten einen wichtigen Faktor – das bedeute, die Eltern nicht nur vor die Wahl zwischen Halb- oder Ganztagsmodelle zu stellen.

Deshalb und auch um eine bessere Planung für das Unternehmen zu gewährleisten, versuche man, mit den Eltern auch während der Elternzeit in Kontakt zu bleiben, Karrieregespräche anzubieten, sie zu Versammlungen oder Weiterbildungen einzuladen oder Vertretungszeiten anzubieten, um "am Ball zu bleiben".

Wo der Bedarf der Mütter und Väter am größten ist, hat eine Fragebogenaktion in 20 Firmen mit 4500 Mitarbeitern gezeigt. Verantwortlich waren die Projektleiterinnen der Koordinierungsstelle Lena Specht und Kirstin von Blomberg. Das Ergebnis: Mit 21,7 Prozent liegt der größte Bedarf in der Kinderbetreuung, gefolgt von flexiblen Arbeitszeitmodellen mit 18,2 Prozent.

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Die Vereinbarkeit von Kind und Beruf stellt Unternehmen zunehmend vor eine Herausforderung. Foto: dpa (Schaumburger Nachrichten)

Quelle: Schaumburger Nachrichten, 30. September 2011

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