Mehr Geld und größere Dienstwagen reichen nicht mehr

30.09.2011

Neue Modelle braucht das Land: Familie und Beruf zu vereinbaren, wird eine immer größere Herausforderung werden

von Frank Westermann

Obernkirchen. Es waren einige dicke Bretter, die gebohrt werden mussten. Allein zwei Jahre hat es gedauert, den Gedanken in den Köpfen der Verantwortlichen zu verankern, überhaupt ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass das „gefühlte“ Problem auch in der Realität existiert. Weitere zwei Jahre dauert es, bis die Lösung umgesetzt werden konnte. Es hat sich gelohnt, im Juli hat in der Hamelner Firma das Pharmaunternehmen „hameln group“ eine betriebseigene Kinderkrippe geöffnet – die erste ihrer Art in den Landkreisen Hameln/Pyrmont, Holzminden und Schaumburg. Und dieses neue Angebot, so erklärt es Eva Banholzer, habe eine mehr als rege Nachfrage: Die nächsten beiden Jahre sind schon ausgebucht.

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Wer nach Elternzeit als Frau in den Beruf zurückkehrt, muss viele Bedürfnisse erfüllen, nicht nur die des Arbeitsgebers und den Kollegen. Wird ihr dabei geholfen, profitiert auch ihre Firma. Foto: pr/mK (Schaumburger Zeitung)

Denn die Zeiten, in denen Firmen umworbenen Mitarbeitern mehr Geld und einen größeren Dienstwagen als einzigen Anreiz bieten konnten, diese Zeiten sind vorbei, erklärt Hans-Ulrich Born, Vorstand der Weserbergland AG, beim ersten Unternehmens-Netzwerktreffen bei der BKK 24. Heute sei die Familienfreundlichkeit ein Faktor, der in einem größeren Maße über die Attraktivität des Arbeitgebers mitentscheide. Denn längst gebe es einen Wettbewerb der Unternehmen um die besten Fachkräfte. Gerade bei den Schlüsselfunktionen, so wird es später Eva Banholzer beschreiben, gebe es eine hohe Fluktuation.

Wohl wahr, pflichtet BKK 24-Vorstand Friedrich Schütte bei, als die Krankenkasse sich 1995 bundesweit geöffnet habe, als das Wachstum richtig Tempo aufgenommen habe, da mussten Folgen im organisatorischen, technischen und auch personellen Bereich bewältigt werden. Man stand schnell vor der Frage, wie der Bedarf, den das Unternehmen hatte, mit dem Bedarf der Mitarbeiter unter den berühmten Hut gebracht werden konnten.

Wie das gelingen kann, erklärte anschließend Jutta Eggers als BKK 24-Personalleiterin. Wenn eine Mitarbeiterin nach der Elternzeit wieder in den Beruf zurückginge, müsste sie Bedürfnisse erfüllen: Die des Arbeitgebers der Kollegen, der Familie und natürlich ihre eigenen, dazu muss die berufliche Zukunft im Blick behalten werden und materielle Sicherheit für heute und später müsste auch erwirtschaftet werden – ein Spagat, der im schlimmsten Fall mit einem psychischen Ausgebranntsein ende.

Bei der BKK 24 werde daher in der Elternzeit der Kontakt zu den Müttern in Elternzeit gehalten: Durch Kontakte auf der Fachebene, durch Einladungen zu Dienstbesprechungen, durch Berücksichtigung zu Weiterbildungsprogrammen. Väter würden nach der Elternzeit einfach wieder durchstarten: Die bleiben zwei Monate zu Hause und arbeiten danach wieder Vollzeit. Für die Mütter dagegen ändere sich vieles: Der Wiedereinstieg in den Beruf erfolge fast ausschließlich in Teilzeit, bei der weiteren Karriereplanung seien sie weitgehend auf sich gestellt. Hier komme die BKK 24 den Mitarbeiterinnen vor allem bei der Gestaltung der Arbeitszeit entgegen: Flexibilität bei der Stundenzahl und der Anzahl der Wochenarbeitstage, bei der Verteilung der Arbeitszeit auf den jeweiligen Tag – dies sei durchaus ein Modell der Zukunft, erklärte Jutta Eggers: „Die Frauen müssen zu uns zurückkehren wollen.“ Das von Eggers vorgestellte Programm „Familienfreundlichkeit auf dem Weg zum Best Practice“ wurde in Zusammenarbeit mit der Hochschule Weserbergland in Hameln und der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft erstellt.


Foto (v.l.): Eva Banholzer, Kirstin von Blomberg und Jutta Eggers

Quelle: Schaumburger Zeitung, 30. September 2011

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